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Mach mir kein schlechtes Gewissen!
12.02.2016 17:54

"Hör auf, mir ein schlechtes Gewissen machen zu wollen" ist ein Satz, den ich immer wieder höre und lese. Das Thema, um das es dabei geht, ist variabel und irrelevant. Nur mal so als Beispiel das Thema Ernährung:

Die einen bekommen ein "schlechtes Gewissen", weil sie Fleisch essen, obwohl sie die Berichte und Infos über Tierquälerei in der Massentierhaltung "ja so schrecklich finden". Die anderen bekommen ein "schlechtes Gewissen", weil sie sich von Fertigprodukten und Junkfood ernähren, obwohl "das ja so ungesund ist".

 

Woher kommt dieses schlechte Gewissen und wieso regst du dich so fürchterlich darüber auf, wenn jemand dir eines angeblich macht? Ganz einfach:

1. Weil deine Meinung, die du nach außen trägst und mehr oder weniger vehement verteidigst, deinen eigentlichen (unbewussten) Vorstellungen und Überzeugungen und besserem Wissen entgegensteht.

2. Weil du dir selbst nicht sicher bist, ob das, was du tust, auch "richtig" ist, weil du zu sehr auf die anderen achtest, was für SIE richtig oder falsch ist und dich davon beeinflussen lässt.

3. Weil du zwar vielleicht gerne was anderes als bisher tun möchtest, du aber (unbewusst) Angst davor hast, vor anderen dein Gesicht zu verlieren, wenn du plötzlich umschwenkst und deine bisherige Meinung änderst.

4. Weil dir das Thema, um das es geht, nicht wichtig genug ist.

 

Anders ausgedrückt: Immer dann, wenn dein Kopf mit deiner inneren Überzeugung im Widerspruch steht, fühlst du dich unwohl dabei. Die Folge ist ein "schlechtes Gewissen". Wäre beides, nämlich Kopf und wahre Überzeugung in Einklang und wärst du absolut überzeugt, das Richtige zu tun, hättest du innere Ruhe und ein gutes Gewissen.

Jedes Mal, wenn dich also ein "schlechtes Gewissen" überfällt, ist das für dich die Aufforderung, dich zu fragen, wieso. Bist du wirklich von dem, was du sagst oder tust, aus tiefstem Inneren überzeugt? Tust oder sagst du es nur, weil die Mehrheit es auch tut oder sagt? Oder weil du es gewöhnt bist, es so "gelernt" hast, es dir zu anstrengend und peinlich wäre, (jetzt) etwas daran zu ändern?

Immerhin könnten andere dich dann ja für unglaubwürdig halten, dich belächelnd oder verurteilen, wenn du plötzlich etwas komplett anderes tust als bisher!

Überlege dir einmal, was dir wichtiger ist: Die Meinung anderer und dafür ein schlechtes Gewissen in Kauf zu nehmen? Oder für deine tiefsten Überzeugungen einzustehen und damit innere Ruhe genießen?

Jeder Mensch hat nicht nur das Recht, seine eigene Meinung zu haben, sondern auch, sie jederzeit anzupassen oder zu ändern, wenn er es für notwendig und richtig betrachtet. Im Normalfall lernt jeder Mensch im Laufe seines Lebens neue Dinge dazu, durch sie sich sein aktueller Wissensstand verändert. Immer nur auf dem gleichen Standpunkt stehenzubleiben, zeugt dagegen lediglich von Rückschritten. Nicht bleibt immer gleich, alles verändert sich stetig, so auch eigene Meinungen und Überzeugungen. Vorausgesetzt natürlich, du bist bereit dazuzulernen.

Natürlich bringen Meinungsänderungen auch Konsequenzen mit sich:

1. Im Hinblick auf andere

Egal wie andere darauf reagieren, z. B. ungehalten, verblüfft, lästernd, sich lustig machend - Sie haben IHRE Meinung, die sie gerne weiter vertreten dürfen, wenn sie sich damit wohlfühlen oder auch, wenn sie nicht aufgeschlossen sind, etwas ihrerseits zu hinterfragen oder dazuzulernen. Ihr Leben - Ihre Überzeugungen - Ihre Konsequenzen!

2. Im Hinblick auf dich selbst

Es kann passieren, dass du dann gezwungen bist, etwas zu verändern. Das kann anfänglich kompliziert erscheinen, z. B. um beim Beispiel der Ernährung zu bleiben: Du musst dich informieren, Gewohnheiten verändern, vielleicht mehr oder anderen Aufwand zu treiben (selbst kochen, anderswo einkaufen zu gehen, Etiketten genau lesen usw.). Natürlich ist das nicht "einfach" und erfordert Zeit sowie Konsequenz. Auf Knopfdruck, über Nacht, verändert sich nichts.

 

Mach dir deine Gedanken dazu und frage dich selbst, ob du wirklich bereit bist, endlich das zu tun, wovon du aus tiefstem Herzen überzeugt bist oder ob du lieber weiterhin deinem schlechten Gewissen frönen willst. Es ist nur deine Entscheidung. Niemand sonst kann dir das abnehmen.

Entscheidest du dich gegen eine Veränderung und damit für das Beibehalten des Bisherigen samt schlechten Gewissens, brauchst du dich künftig aber auch nicht mehr darüber aufregen, dass andere dir angeblich ein schlechtes Gewissen machen. Denn DAS tust ausschließlich du alleine.

 

© Keera Liza Santos

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